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Vom Fußgänger zum Segelflieger in 12 Monaten

Mi, 30. Jun 2010

Bereits mit 14 Jahren kann man mit der Ausbildung zum Segelflugpiloten beginnen. Welche positive Erfahrungen Jugendliche und deren Eltern dabei machen können, beschreibt die Geschichte von Korbinian, 16-jähriger Gymnasiast, der an Pfingsten 2009 mit der Ausbildung zum Segelflugpiloten am Segelflugzentrum Königsdorf begann und nun seine Prüfung zum Segelflugpiloten erfolgreich ablegte.

Korbinian beim ersten Alleinflug

"Der Traum vom Fliegen ist bei mir so alt, wie ich selber bin, heute 16 Jahre. Vor etwa einem Jahr begann ich mich genauer mit dem Thema zu beschäftigen. Dabei stieß ich auf das Angebot in den Pfingstferien am Segelflugzentrum Königsdorf zwei Wochen lang bei einem Schnupperlehrgang den Flugsport näher kennenzulernen. Auch erfuhr ich, dass Segelfliegen gar nicht so teuer ist, wie man immer annimmt. Eine kurze Mail an den Ausbildungsleiter des Vereins und ich bekam mehr Informationen zum Ablauf. 16 Tage lang Flugbetrieb von 9 Uhr bis Sunset, mit dem Ziel "erster Alleinflug". Es wurde mir erst einmal das Schulflugzeug, eine ASK13, Baujahr 1977 genau erklärt und ich wurde in die grundlegenden Abläufe und das Verhalten auf einem Flugplatz, dem Segelflugzentrum Königsdorf, eingewiesen. Danach ging es gleich los, ich verhalf zwei anderen Schülern in die Luft und kam dann selber dran. 
Mein erster Start in einem Segelflugzeug war ganz schön aufregend und beeindruckend. Die Elektrowinde beschleunigt das Flugzeug in 3 Sekunden von 0 auf 100 km/h und keine 30 Sekunden später befinden ich mich mit dem Fluglehrer auf 400 Meter über Grund. Ich bin erst einmal völlig überwältigt. Zwar bin ich schon ein paar Mal in einem Verkehrsjet und einmal mit einem Motorsegler geflogen, aber dieser Start ist doch noch mal eine andere Dimension. Als ich mich wieder erholt habe, zeigt mir der Fluglehrer die Wirkung der Ruder und dann darf ich zum ersten Mal ein Flugzeug steuern. Nach diesem ersten Schnupperflug hat mich das Flugfieber gepackt. Die nächsten zwei Wochen sollen mit die schönsten meines Lebens werden. Um nicht jeden Tag die 50 Kilometer von München nach Königsdorf fahren zu müssen, schlief ich einfach zwei Wochen lang am Flugplatz. Die zwei Wochen zeigte sich das Wetter von seiner freundlichsten Seite, so dass wir bis auf zwei Tage jeden Tag fliegen konnten. Mit zwei Schulflugzeugen brachten es jeder der zehn Kursteilnehmer auf bis zu fünf Starts pro Tag. Am 10.6.09 um 12:39 war es dann soweit, nach 32 Starts und 4:26 Stunden in der Luft machte ich meinen ersten Alleinflug, der größte Moment im Leben eines jeden Piloten. Es folgten noch zwei weitere Starts, womit ich dann die sogenannte A-Prüfung bestanden hatte. In den nächsten Tagen folgten noch weitere kurze Flüge alleine. Dann gingen die zwei Wochen auch schon zu Ende, mit insgesamt 40 Starts und mehr als fünf Stunden Flugzeit.
Bald durfte ich einen Einsitzer fliegen und ich versuchte in der Thermik länger in der Luft zu bleiben. 
Im Winter gab es jeden Samstag Theorieunterricht und Anfang Mai legte ich die theoretische Prüfung beim Luftamt Südbayern ab, die ich im ersten Anlauf bestand, genauso wie das englische Flugfunkzeugnis. Zu Pfingsten 2010 gab es wieder eine Schulungswoche und ich hatte inzwischen auch genügend Alleinflugzeit sowie einen 50 km Überlandflug, so dass ich auch die praktische Prüfung machen konnte. Ein Windenstart mit dem Prüfer von der Regierung von Oberbayern und ich bekam meine Pilotenlizenz. Dass ich am gleichen Wochenende auch noch meine Windenfahrerberechtigung erhielt, freute mich umso mehr, kann ich doch jetzt auch anderen Piloten helfen, mit der Elektrowinde in die Luft zu kommen."

Anmerkung des Ausbildungsleiters Thomas Wendl:

"Jugendlichen mit 14 oder 15 Jahren so viel Eigenverantwortung zu übertragen und ein Segelflugzeug alleine fliegen zu lassen ist in unserer Zeit und in unserer Gesellschaft kaum ein zweites Mal zu finden. Eltern können sich glücklich schätzen, wenn ihre Töchter und Söhne sich für den Flugsport begeistern, eine Sache, die die ganze Person fordert und fördert. Die Entwicklung zu beobachten, die Jugendliche bei dieser Sportart machen, ist für einen Fluglehrer die größte Freude. Exklusiv sind die Erfahrungen, die man bei diesem Sport sammeln kann, nicht jedoch der Preis."

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