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In 7000 Meter Höhe mit dem Segelflieger

Fr, 28. Okt 2011

Normalerweise geht es im Herbst am Segelflugplatz in Königsdorf eher ruhig zu. Die Thermik kann momentan praktisch nicht mehr als Aufwind der lautlosen Gleiter genutzt werden, da die Sonneneinstrahlung, der Motor für die thermischen Aufwinde viel zu schwach ist.

Königsdorfer Piloten in der Föhnwelle

Lediglich die Flugschüler des SFZ Königsdorf machen Übungsstarts und drücken die Fliegerschulbank während des Theorieunterrichts.

Wellenbildung in der Luft durch starken Wind

Der Föhn aber machte jetzt nochmals sehr interessante Flüge möglich. Bei der in dieser Woche vorherrschenden Föhnwetterlage bilden sich so genannte Leewellen aus. Durch den starken Föhnwind, der aus Süden über die Alpen hinweg bläst, bilden sich Luftschwingungen, vergleichbar mit einer Welle, die sich hinter einem Stein bildet, der sich im fließenden Wasser befindet. Diese Fönwellen nutzten Hans Trautenberg, Wolfram Gothe und Youngster Luka Salehar, der im Sommer noch an den Segelflugweltmeisterschaften der Junioren teilgenommen hat, zu spektakulären Flügen.

Blick aus 4000 Metern auf die Zugspitze In 4300 Meter im Anflug auf die Föhnwelle im Inntal Die Segelflieger surfen bei Föhn an den Wolken entlang wie die Wellenreiter Blick aus dem Cockpit von Hans Trautenberg in 7000 Meter Höhe, wo die Haube langsam vereist

Einstieg über dem Trimini in Kochel

Edi Eichenseher steuerte die Schleppmaschine jeweils zum Trimini bei Kochel, wo erfahrungsgemäß bei solchen Wetterlagen die erste nutzbare Welle steht. Nach kurzem Suchen fanden sie dann auch ein gutes Aufwindfeld und man konnte mit durchschnittlich zwei Meter pro Sekunde bis auf 3500 Meter steigen. Gegen den mit bis zu 70 km/h starken Wind flog das Trio gen Südwesten vor und konnte über dem Wettersteingebirge erneut einen Wellenaufwind finden, in dem es in Fahrstuhlgeschwindigkeit nach oben ging. Über der Zugspitze konnte man sogar bis 5000 Meter Höhe steigen, was in diesem Gebiet die maximal erlaubte Flughöhe von der Flugsicherung war. Wellenaufwinde werden häufig durch sogenannte Linsen Wolken gekennzeichnet, an denen die Segelflieger ähnlich einem Wellenreiter, der entlang der Welle im Wasser surft, entlang fliegen und dabei an Flughöhe gewinnen können. Hierbei atmeten alle Höhensauerstoff aus der mitgeführten Sauerstoffanlage. Mathias Schunk, der zeitgleich mit einem Airbus A340 der Lufthansa auf dem Rückweg von Chicago im Anflug auf München war, gab den Kollegen zusätzlich detaillierte Informationen zu der Windrichtung und Stärke in den verschiedenen Flughöhen. Trotz Winterkleidung wurde es bei Außentemperaturen um minus 15° Celsius nach fünf stündigem Flug doch „ziemlich kalt, vor allem an den Füßen“, die im Cockpit unter der Abdeckung nicht der wärmenden Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, wie Salehar nach der Landung verriet, aber trotzdem über beide Ohren vor Freude über den grandiosen Flug strahlte. Hans Trautenberg konnte südlich Innsbruck mit Freigabe der Flugsicherung sogar bis auf 7000 Meter steigen und sich somit den Höhendiamanten erfliegen, eine Auszeichnung, die Segelflieger für Flüge mit mehr als 5000 Meter Höhengewinn im reinen Segelflug erhalten.

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