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Alleinige Lufthoheit

Di, 22. Okt 2013

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“. Diese Zeilen aus Reinhard Meys bekanntem Lied stimmen natürlich nur bedingt. Denn in der Luftfahrt müssen sehr wohl Regeln eingehalten werden.

Niels Hitz fliegt nach nur 30 Starts ganz alleine im Segelflugzeug

Aber anders als auf den Straßen, wo man erst mit 15 Jahren Mofa und mit 18 Jahren alleine Auto fahren darf, kann man schon mit 14 fliegen und die Freiheit am Himmel genießen – zumindest im Segelflugzeug.

Nur zwei Monate Flugausbildung

Niels Hitz nach seinem ersten Alleinflug im Segelflugzeug

Niels Hitz ist 18 Jahre alt, seit Mitte September absolviert er am Segelflugplatz in Königsdorf regelmäßig Starts und Landungen mit einem der vielen ehrenamtlichen Fluglehrer in den doppelsitzigen Schulungsflugzeugen. Nach nur 30 Starts sagte Fluglehrer Wolfram Gothe letzten Sonntag, dass nun sein sogenannter Freiflug kommen werde, bei dem er das erste Mal ganz alleine fliegen werde. „Frei“ steht hier für den Allein-Flug, wie Gothe erklärt. „Auch wenn ich schon damit gerechnet habe, dass es irgendwann so weit sein könnte, war es in dem Moment dann doch überraschend für mich“, beschreibt der 18 jährige Schüler aus Starnberg diesen Moment. Obwohl es am Flugplatz recht entspannt zugeht, müssen die jungen Leute auch immer wieder zupacken, denn die Segelflugzeuge müssen nach der Landung von mehreren Helfern wieder in die Start-Position geschoben werden: Segelflug ist Team-Arbeit. Also wurde zunächst das 350 kg schwere Fluggerät wieder per Handkraft an den Start geschoben. Dort vollzog Nils routiniert alle notwendigen Checks am startbereiten Segler, bevor es für die Startwinde hieß: „Seil anziehen!“ Während der Startleiter die Start Kommandos per Telefon an den Windenfahrer durchgab, stand Fluglehrer Gothe am Funkgerät bereit, um Nils evtl. noch Hinweise geben zu können. Dies war aber nicht notwendig. Wie in den 30 Starts zuvor trainiert vollführte er einen blitzsauberen Start. In 400 Meter löste er das Seil aus der Schleppkupplung und Nils schwebte das erste Mal völlig allein über dem Oberland. Aber bereits jetzt ging es wieder an die Vorbereitung zur Landung, Nils steuerte die ASK 21mit dem Rufzeichen Delta 6121 Richtung Süden bis zur Beuerberger Straße und von da an weiter Richtung Westen, hier machte er noch einige Kreise, bevor er sich über Funk wieder zur Landung meldete: „Delta 6121 kommt zur Landung“.

Perfekte Landung

Nach einer perfekten Landung war sein Vater einer der ersten der gratulierte. „Wir haben momentan ganz viele Jugendliche, die mit dem Segelfliegen begonnen haben“, ist Ausbildungsleiter Christoph Kraul stolz auf die eigene Nachwuchsarbeit, die vor einigen Jahren auch schon mit dem „Grünen Band“ der Dresdner Bank für hervorragende Jugendarbeit prämiert worden ist. Nach zwei weiteren Soloflügen kam für Nils das Ritual, das alle Segelflieger nach ihrem ersten Alleinflug durchlaufen mussten. Die Freude wurde ihm auch nur wenig getrübt, auch wenn es sichtlich wehgetan hat. Fluglehrer Gothe rief wie selbstverständlich alle am Flugplatz anwesenden Piloten zusammen und das waren bei dem schönen Herbstwetter nicht zu wenige, welche anschließend Oliver den Hintern versohlten. „Dieses alte Ritual dient dazu, dass jeder Pilot die Thermik danach mit seinem Allerwertesten besser spüren kann“, grinst Wolfram Gothe bei der Erklärung für diesen Brauch.

Ausbildung geht weiter

Mit dem Alleinflug ist die Ausbildung allerdings noch lange nicht beendet. Neben einer Menge Theorie über Meteorologie, Luftrecht, Aerodynamik und Flugzeugkunde, die Nils nun lernen muss, wird er weiter unter Aufsicht der Fluglehrer, die ihn vom Boden aus beobachten fliegen. Den Luftfahrer-Schein bekommt er nach einer Prüfung durch das „Luftamt“ des Regierungspräsidiums. Da werden die Aspiranten in Theorie und Praxis von einem staatlich beauftragten Prüfer auf ihre Flugtauglichkeit getestet, erläutert Christoph Kraul, der ebenfalls im jugendlichen Alter mit dem Segelflug begonnen hat.

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